Dossier III: Zielinski-Havel-Waldmann

AKH und MUW im Sog der Finanzmafia?

Die „Waldmann-Havel-Connection“ und das Krebs-Imperium von Christoph Zielinski

Wie weit das verzweigte Netzwerk des Vize-Rektors der Medizinischen Universität Wien, Dr. Christoph Zielinski im „Dienste der Krebshilfe und Forschung“ reicht, haben wir in den vorhergehenden Dossiers bereits deutlich gemacht. Dabei ging es in erster Linie um die Causa „Bio Life Science GmbH“ – bzw. darum, dass Patente quasi zum Nulltarif von MUW-Rektor Wolfgang Schütz an ein privates Unternehmen in Besitz einiger MUW-Professoren sowie des Unirats-Mitgliedes Johannes Strohmayer abgetreten wurden.

Unsere Vermutung, dass im Umfeld Zielinskis bzw. der ihm zuzuordnenden Seilschaft auch noch andere Unregelmäßigkeiten zu finden sind, wurden durch die Feststellung des Wissenschaftsrates bestärkt, der im Zuge einer Onkologie-Studie an der Medizinischen Universität Wien „auffällig rege Aktivitäten in Sachen klinische Studien“ ortete.

Worum es bei klinischen Studien geht ist ja kein Geheimnis und tatsächlich ist – speziell im Bereich der Onkologie, die permanente Erprobung neuer oder verbesserter Präparate notwendig und wichtig. Allerdings ergaben unsere Recherchen ein durchaus fragwürdiges Bild der öffentlich meist „nobel“ dargestellten Ambitionen des Krebsspezialisten Zielinski, der aufgrund unserer durchaus gerechtfertigten Vorwürfe neuerdings und in Sachangelegenheiten gerne andere Experten an die Presse-Front schickt. Etwa wenn es um „sensationelle Erfolge“ im Bereich der Bekämpfung von Brustkrebs geht, ein altes Steckenpferd Zielinskis, das stellvertretend oder nicht, nun von anderen Mitgliedern der Seilschaft öffentlich abgehandelt wird.

Den eigentlichen Zweck der vielen Organisationen Zielinskis im Umfeld der „Krebshilfe“, „Krebsforschung“ oder des „Onkologie-Verbundes“ zu durchblicken – die oft parallel und nahezu namensident zu bereits existierenden Netzwerken betrieben werden, ist erst möglich, wenn man die jeweiligen Eigentümer-Strukturen bzw. deren geschäftliche Betätigungen und Interessen genauer analysiert.

„Initiative Krebsforschung“ – Deckmantel für Finanzgeschäfte „der besonderen Art“?

(Gesellschaftsform: Verein, Präsident: Zielinski, Vize-Präsident: Michael Havel, Finanzvorstand: Dieter Waldmann)

• Als Repräsentanten des Vereins werden primär die Professoren Zielinski, Micksche und Jäger in den Vordergrund gestellt (siehe hier). Tatsächlich aber wird der Verein von Christoph Zielinski, Michael Havel und Dieter Waldmann gesteuert – sie bilden den inneren Kern der „Initiative“. (Siehe Vereinsregisterauszug)

Zielinski und Havel verbindet eine lang währende Partnerschaft. Bereits im Jahr 2004, als etwa die Wiener Städtische Versicherung eine enge Partnerschaft mit Havels Futurelab Holding verkündete und dabei auch eine gemeinsame Osteuropa-Expansion fixiert wurde, spielte Zielinski als Mitglied im wissenschaftlichen Beirat der Futurelab eine wichtige Rolle.

Sowohl Havel als auch Waldmann verfügen über weit verzweigte Netzwerke, Finanzierungsgesellschaften und Stiftungen. Um sich ein Bild dieser Netzwerke zu machen, haben wir die uns bekannten Verflechtungen grafisch dargestellt. Eine umfassendere Version, die auch assoziierte oder direkt involvierte Unternehmen im Ausland einschließt, folgt in Kürze. Zur Anzeige der aktuellen Grafik klicken Sie bitte hier. (Netzwerk-Grafik-09-Q3)

Univ.-Prof. Havel, einst selbst als Mediziner tätig, entschied sich bereits vor Jahren für eine privatwirtschaftliche Karriere und übernahm unter anderem die Führung der „Futurelab Holding“, deren aktueller Verkauf an eine Hamburger Investorengruppe derzeit ein heißes Thema ist – uns aber auch aus anderen Gründen in diesem Dossier ein eigenes „Kapitel“ wert ist (siehe CECOG und Futurelab – Die Osteuropa-Connection).


Doch vorerst zurück zur „Initiative Krebsforschung“, die von Zielinski in Anlehnung auf den für seine „Integrität“ bekannten US-Präsidenten Richard Nixon erstmals 2005 der Öffentlichkeit präsentiert wurde.

• Bereits 2006 wurde verkündet, dass die „Initiative Krebsforschung“  eine Million Euro an Spendengeldern sammeln konnte (siehe Pressebericht), den Auftakt der „War on Cancer“ getauften Kampagne bildete damals eine von Unternehmer Martin Schlaff finanzierte Gala in der Wiener Staatsoper, wo namhafte Gäste sich gerne für den guten Zweck hergaben. Eine ähnliche Verlautbarung über einen weiteren satten Spendenerfolg folgte im Jahr 2008.

Im Vordergrund der Spendenaktion stand laut uns vorliegenden Dokumenten der Neubau des Hauses „Borschkegasse“ (siehe Presseaussendung vom 22.9.2006), in dem auch das Krebsforschungsinstitut der MUW untergebracht ist. Das Gebäude gilt als baufällig und veraltet – seitens der Initiative Krebsforschung wurde ein Neubau bzw. eine Sanierung bis Ende 2009 angekündigt.

Interessant dabei ist aber, dass erst kürzlich erneut beklagt wurde, dass die Finanzierung des mit über 100 Millionen Euro veranschlagten Neubaus nach wie vor nicht gesichert sei. In Vorabgesprächen soll sich der Bund dazu bereit erklärt haben, im Falle einer 50-Prozent Finanzierung aus privaten Mitteln den Rest der Summe tragen zu wollen (siehe Presseaussendung). Gegebenenfalls es wäre Zielinski gelungen, eine Summe von 50 Millionen Euro im Zuge privater Spendenaktionen aufzutreiben, eine wirklich bemerkenswerte Sache. Dafür gelang es der Intitiative Krebsforschung im Zuge der teils aggressiven und umstrittenen Spendenkampagne auch für heftigen Wirbel zu sorgen. (Siehe Pressebericht)

Nüchtern betrachtet scheint das Ansinnen Spenden gezielt für den Neubau des Hauses einheben zu wollen in Anbetracht der jetzt bekannten Kosten absurd und völlig unrealistisch. Die Frage die sich in Folge also zwangsläufig stellt: was wurde aus dem explizit für den Neubau des Hauses Borschkegasse gesammelten Geld?

Zwar findet man auf den Internet-Seiten der „Initiative Krebsforschung“ Hinweise darauf, dass zahlreiche wissenschaftliche Projekte mit insgesamt rund 300.000 Euro gefördert wurden, was zweifelsfrei stimmt und sinnvoll ist, darüber hinaus bleibt der Verein seinen Spendern aber Information über den Verbleib des „gewidmeten“ Geldes schuldig.

Auch wenn es sich in Anbetracht der Summen, um die es im perfiden Spiel um Macht und Profit im Umfeld der MUW und des AKH tatsächlich geht vergleichsweise um „Peanuts“ handeln dürfte, ist es an dieser Stelle durchaus zulässig, misstrauisch zu werden.

Formfehler oder notorische Oberflächlichkeit?

Interessant ist in Sachen „merkwürdige Details am Rande“ etwa auch, dass das Präsidium des Vereines „Initiative Krebsforschung“ laut Vereinsdatenbank der Bundespolizeidirektion Wien nur bis zum Herbst 2007 offiziell vertretungsbefugt war (Siehe Vereinsregisterauszug). Das kann natürlich einer der vielen Formfehler sein, die man bei Recherchen im Umfeld Zielinskis findet, die Daten des Zielinski-Vereins „CECOG“, einem weiteren wichtigen Puzzlestein, wurden laut Vereinsregister jedenfalls bis Ende 2009 auf den aktuellsten Stand gebracht.

Hier gab es keine Versäumnisse – die dürfte es ergo nur im „Bedarfsfall“ oder eben rein zufällig geben. Man erinnere sich in diesem Zusammenhang an die merkwürdige „Verwechslung“ des Vornamens von Dr.  Zielinski in Sachen „Biolife Science“, wo er im Handelsregister jahrelang fälschlicherweise als „Christian“ geführt wurde und das niemanden aufgefallen sein will.

Doch es geht hier nicht um Formfehler oder darum, mit „aller Kraft“ und mitunter unkonventionellen Mitteln und Methoden vordergründig darum zu kämpfen, der Allgemeinheit im wichtigen Bereich der Krebsforschung einen Dienst erweisen zu wollen.

Mag es vermessen klingen, Tatsache ist, dass sich glücklicher Weise ja bereits in der Führungsriege der „Initiative Krebsforschung“ durchaus potentielle Spender bzw. finanziell gut positionierte Personen befinden.

Während wir bei unseren Recherchen in Sachen „Biolife“ auf das Netzwerk von Johannes Strohmayer und Robert Schächter gestoßen sind, beides Universitätsräte und langjährige Geschäftspartner die Zielinski in Sachen „privater Patentverwertung“ offenbar mit dem nötigen Know-how und Budget zur Seite standen, stechen bei der „Initiative Krebshilfe“ andere „neuralgische“ Schnittstellen in die weite Welt der Finanzen hervor:

  • Prof. Michael Havel (Vize-Präsident)
  • MMag. Dieter Waldmann (Finanzvorstand)

Beginnen wir die Sache erneut mit kleinen „Formfehlern“. Offizielle Ansprechperson der Initiative Krebsforschung ist Frau Mag. Nina Hoppe, Pressesprecherin der MUW – mit Sicherheit „ehrenamtlich“. Als Geschäftsadresse wird auf der Homepage die Anschrift der MUW angegeben, im Vereinsregister findet man jedoch eine andere Adresse.

Offiziell wird dort als Sitz des Vereins „Initiative Krebsforschung“ die Büroanschrift von MMag. Waldmann angegeben: 1120 Wien, Wagramerstrasse 19, gleichzeitig auch Standort seiner Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzlei „Ernst & Young“ (siehe Vereinsregisterauszug). Eine Etage weiter unterhält übrigens auch Pharmariese Baxter ein recht großräumiges Büro.

Der als Finanzvorstand der „Initiative Krebsforschung“ agierende MMag. Dieter Waldmann gilt als exzellent vernetzter Finanzprofi (siehe Firmenbuchauszug). Und auch wenn sein Engagement für die „Initiative Krebsforschung“ primär den Eindruck einer rein karitativen Betätigung erweckt, kommen in Anbetracht weiterer „Verstrickungen“ durchaus Zweifel an einem „selbstlosen“ Engagement auf.

So fanden wir einen wichtigen und signifikanten Schnittpunkt zwischen dem Finanzkonstrukt von Dr. Johannes Strohmayer rund um die Biolife Science und dem Netzwerk von Dieter Waldmann, beide Personen sind zentrale und wichtige Unterstützer der „vielschichtigen“ Initiativen Zielinskis.

Der Schnittpunkt heißt WWST-Bedarfsfluggesellschaft m.b.H. (Sehen Sie hier den aktuellen Handelsregisterauszug). Ein Unternehmen, an dem Dr. Johannes Strohmayer, der „Initiative Krebsforschung“-Finanzvorstand MMag. Waldmann, der bekannte Wirtschaftsmagnat Hans-Jörg Tengg sowie Michael Weiß mit jeweils 25 Prozent beteiligt sind. Der tatsächliche Zweck des hinsichtlich seiner Bezeichnung flexibel anmutenden „Bedarfsflugunternehmens“, dass an nobler Adresse im Palais Liechtenstein logiert und zuvor den Namen „FEAG – Fernwärme und Energieanlagen GmbH“ trug, konnten wir leider nicht verifizieren, da es weder über eine Internet-Seite verfügt noch in den zahlreichen Listings aller  österreichischer Bedarfsflugunternehmen auftaucht. Klar ist aber, dass hier einige wichtige Player der österreichischen Finanzwelt keineswegs grundlos zusammengefunden haben. Punkto MUW und AKH dürften zumindest Strohmayer und Waldmann kaum gegensätzliche Interessen vertreten.

Ebenso interessant wie die direkte Interessensverflechtung zwischen den Gründern der „Biolife Science“ und den Gründern der „Initiative Krebsforschung“ sind aber auch Überschneidungen der Aktivitäten von Christoph Zielinski und Michael Havel in Osteuropa, womit wir auch wieder zu jenen Auffälligkeiten zurück finden, die der Wissenschaftsrat im Auftrag des Bundesministers für Wissenschaft und Forschung zum Thema klinische Studien an der MUW festgestellt hat.

Um die komplexen und mitunter bewusst verschleierten „Symbiosen“ zu erkennen und zu verstehen, wollen wir in diesem Zusammenhang zunächst die Aktivitäten von Dr. Christoph Zielinski bzw. seines gemeinnützigen Vereins „CECOG“ beleuchten, die mittlerweile auch Gegenstand aktueller Erhebungen seitens der slowakischen Staatsanwaltschaft sind…

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Lesen Sie hier den zweiten Teil unserer aktuellen Recherche-Ergebnisse über den Umfang, die Absichten und Hintermänner jener Seilschaft, die das Geschehen im AKH und an der MUW zu Lasten des Betriebs dominieren und Menschen, die ihr perfides Spiel nicht mitspielen wollen oder es zumindest decken, eine Co-Existenz unmöglich machen:

Teil 2: Der Fall CECOG – Das Zielinski-Netzwerk wegen Unregelmäßigkeiten bei klinischen Studien im Visier der slowakischen Staatsanwaltschaft. > Mehr

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